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StefanSeitz Skulptur · Zeichnung

Biografie

Vita

Stefan Seitz, geboren 1978 in Garmisch-Partenkirchen, lernte das Handwerk an der Schnitzschule in Oberammergau, studierte in Karlsruhe bei Stephan Balkenhol und war dessen Meisterschüler. Seit 2011 lebt und arbeitet er in Berlin.

Das Thema seines künstlerischen Schaffens — Mensch und Tier — wurzelt in der eigenen Naturverbundenheit. Eigene Erlebnisse und Lebenserfahrungen fließen in die Holzbildwerke ein, die er durch Skizzen vorbereitet.

Stefan Seitz

Die Arbeit

Wie eine Figur entsteht

Am Anfang steht ein innerer Impuls — eine Begebenheit, eine Empfindung, eine Erinnerung. Daraus entstehen viele Zeichnungen, in denen ich spielerisch ausprobiere, wie Mensch und Tier sich begegnen; alles darf sich mischen. Die Anregung kommt aus dem Raum zwischen den Schatten und daraus, mich in ein anderes Wesen hineinzuversetzen. Direkt am Holzstamm zu arbeiten heißt, diese Empfindung unmittelbar auszudrücken. Ich hoffe, dass das Ergebnis dem ersten Impuls treu bleibt.

Arbeit als Weg

Die Arbeit ist für mich nicht in erster Linie anstrengend. Sie hilft mir, die Gedanken zu ordnen und ein wenig loszulassen; die Welt ringsum tritt für den Augenblick zurück. Man kann es mit dem Bergsteigen vergleichen: dem Weg zum Gipfel folgen, ohne zu fallen — und der nächste Berg wartet schon. Das kommt auch daher, dass ich in den bayerischen Alpen aufgewachsen bin. Diese Natürlichkeit findet sich in meinen Arbeiten wieder, mit einer Spur Humor. Humor macht die Skulptur leichter. Humor und Ernst sind mir beide wichtig.

Augenblick und Ausdruck

Weil ich mit der Kettensäge schnell arbeite, wird jede Skulptur zu einer Momentaufnahme. Der Vorstellung sind dabei keine Grenzen gesetzt; Expressionismus und Impressionismus sind ständige Begleiter. Jede Arbeit ist ein Unikat — manche weit ausgreifend oder still nach innen gekehrt, andere roh und explosiv. Oft stellt sich unterwegs heraus, dass eine bestimmte Zeichnung in genau dieses Stück Holz gehört. Anatomische Genauigkeit tritt zurück: Hände, Füße, Rümpfe oder Köpfe geraten übergroß, weil das Herausarbeiten des Ausdrucks im Vordergrund steht. Es bleibt ein Balanceakt zwischen dem freien Fluss und der Form, die ich vorhabe.

Namen und Titel

Die Namen zeigen sich meist beim Schnitzen — manchmal ganz spontan, manchmal lag der Gedanke schon länger im Hinterkopf und wartete darauf, hervorzukommen. Mal passt er, mal nicht. Die Farbe hilft mir, die Arbeit weiter zu betonen. Der Titel ist ein Vehikel: Er soll den Betrachter tiefer in die Skulptur hineinführen und vielleicht einen neuen Gedankengang anstoßen.

Das Holz

Es gibt viele schöne Hölzer. Welches ich nehme, hängt stark von der Größe und der Feinheit der Arbeit ab; je nach Maßstab brauche ich andere Stämme. Manche sind hart und starr, andere weich und leicht, wieder andere fallen durch ausgeprägte Maserung und eigene Farbtöne auf. Sie klingen auch sehr verschieden. Das mag ich. Und sie geben ganz unterschiedliche Gerüche ab, bis hin zu angenehm süßen. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht. Vieles ist Intuition, geführt vom Gespür für das Material — gewachsen aus Jahren der Praxis und aus der ausgezeichneten Grundausbildung an der Schnitzschule in Oberammergau.

Die Haltung bei der Arbeit

Locker und leicht, mit einer guten Portion Humor — wenn es geht. Die Figuren sollen wie eine lose Skizze wirken; hat man einmal angefangen, fällt das Aufhören schwer. Zugleich muss man hoch konzentriert bleiben: Was weg ist, ist weg, und Fehler lassen sich kaum beheben. Ich beneide oft Kollegen, die auf Leinwand malen — dort ist es leichter, zu korrigieren oder noch einmal von vorn zu beginnen. Die Arbeit selbst zeigt mir die Richtung, und ich lasse mich führen. Erzwinge ich etwas, wird es meist nicht gut.

Vom Handwerk zur freien Kunst

Der Übergang zur freien Bildhauerei fiel mir nicht leicht. Die Ausbildung zum Holzbildhauer steckte mir noch tief in den Knochen; deshalb legte ich die Schnitzeisen und das überlieferte Handwerk zunächst beiseite, damit der gewohnte Schnitt in den Hintergrund treten konnte. Die Akademie in Karlsruhe half mir, einen eigenen Weg zu finden — sie ist sehr offen und frei von den Zwängen der traditionellen Lehre. Ein Spielplatz für vieles. Der lebhafte Austausch war für alle Seiten ein Gewinn. Sich mit den entstandenen Arbeiten und mit dem Begriff von Kunst überhaupt auseinanderzusetzen, hat mich wachsen lassen und prägt meine Arbeit bis heute.

Stefan Seitz im Gespräch, 2026

Ausbildung und Werdegang

1978
Geboren in Garmisch-Partenkirchen
2002–2005
BildhauerausbildungStaatliche Schnitzschule Oberammergau
2005
Abschluss mit GesellenbriefStaatliche Schnitzschule Oberammergau
2005–2010
Studium der Freien BildhauereiStaatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, bei Prof. Stephan Balkenhol
2010
Abschluss mit DiplomStaatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
2010–2011
Meisterschüler bei Prof. Stephan Balkenhol
seit 2011
Lebt und arbeitet in Berlin
2026
Präsentation auf einer Gemeinschafts-Werbetafel am Times SquareNew York, mit elf weiteren Kunstschaffenden

Ausgewählte Ausstellungen

2023
Pferd auf A9Kunst im Taut Haus, Berlin
2017
ART an der GrenzeSkulpturenboulevard, Hohen Neuendorf und Birkenwerder
2016
Art Market Budapest
Neuköllner HängungMichaela Helfrich Galerie, Berlin
2015
Offenes EndeMichaela Helfrich Galerie, Berlin
2014
Zwischen den Schatten
L’Esprit de BerlinJapanisch-Deutsches Zentrum Berlin
Lavoir VasserotSaint-Tropez, Frankreich
2013
SpreewaldatelierBildhauersymposium, Lübbenau
8 Jahre V8Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2012
Junge Kunst 2012Volksbank und Galerie Siedenhans & Simon, Gütersloh
DieKunstReiheVolksbank, Karlsruhe
CHANGES
2011
Tijdelijk GebruikSchellens Fabriek, Eindhoven, Niederlande
TOP11Meisterschülerausstellung, Ulmer Museum
48 Stunden NeuköllnAlte Kindl-Brauerei, Berlin
Schönheit und NaturSkulpturensymposium, Bingen am Rhein
LeistungsschauKunsthalle am Hamburger Platz, Berlin
2010
Remember – Rememberart-cooperation, Hamburg
Art TowerMichaela Helfrich Galerie, Berlin
Super Market — Independent Art FairStockholm, Schweden
KUNST ENTRÉ
alltogetherartingup
2009
ErhabenVilla Nachttanz, Heidelberg
Archéologie contemporainePlattform, Karlsruhe
2008
Ökologischer FußabdruckART Region Pamina — Festhalle Wörth, Orgelfabrik Durlach, Camp d’Oberrödern (Elsass)
11th Sculpture DaysSymposium, Baltic Sea Center Kellokoski, Finnland
New Order – New IdolsAlte Fleischmarkthalle, Karlsruhe
KickdownV8 Plattform, Karlsruhe

In unendlichen Variationen erkundet der Bildhauer sein Thema. Die Figuren, obschon als Einzelobjekte konzipiert, können aufeinander Bezug nehmen.